Die Geschichte vom Ruhekrug

  • 01. Ein kleiner Einblick in die Geschichte des Ruhekrugs.

    Der Ruhekrug hat eine lange Geschichte – im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt als zum Herzog von Gottorf gehörenden Besitzes. Zu den damaligen Ruhekruger Ländereien gehörte auch der Platz, auf dem Alt-Gottorf
    einst lag. Es ist zu vermuten, dass das ganze Gelände, zumal es sich um Wald- und damit Jagdgebiet handelte,
    seit Zerstörung Alt-Gottorfs bald nach 1160 in königlicher Hand gewesen ist. Wann der Ruhekrug gebaut wurde wissen wir nicht.


    02. Wer waren die damaligen Besitzer?

    Der Herzog pflegte den Besitz an „getreue Diener“ seines Hofes zu „verlehnen“. Als herzogliches Eigentum
    war er abgabenfrei. Im 16. Jahrhundert werden Heinrich Hoyer und Marten Österreich als „Begnadete“ genannt.
    Erstmals erhalten wir 1587 genaueren Einblick in die Verlehnung. Damals überließ der Herzog den Rugenkrog
    auf Lebenszeit seinem Diener Hartung Kloyken wegen der getreuen Dienste, die er ihm und dem verstorbenen
    Herzog geleistet hat. Dieser Hartmut Kloyken wird in der Besoldungsordnung des Herzog Adolfs als „Einspänniger“
    aufgeführt. Das ist ein Hofbediensteter, der in kriegsmäßiger Ausrüstung und Bewaffnung besondere Botenritte
    erledigte, den Herzog und seine Gesandten begleitete, Verbrecher verfolgte und die Landstraße in unsicheren
    Zeiten bewachte.


    03. Woher der Name?

    Man könnte meinen, einst habe ein Wirt nach erlangter Konzession seinen Krug so getauft um wandernden und fahrenden Gästen die Einkehr besonders zu empfehlen. Das ist aber ein Trugschluss, denn der jetzige Name ist nicht die älteste Form. Früher hieß die Gaststätte Rugen- oder Ruvenkrog (1620) oder Rugekrog (1669). Diese platt- deutsche Bezeichnung erscheint in hochdeutscher Übersetzung als Raugenkrug (1657 und 1669) oder Rauhenkrug (1657). 1657 tritt dann auch erstmalig der heutige Name Ruhekrug auf, ohne aber zunächst der herrschende zu werden. Der plattdeutsche Name Rugekrog deutet auf die Lage im Waldgestrüpp hin. Auch das benachbarte Gut FALKENBERG liegt, dessen Gutshaus 1803 erbaut wurde, auf dem damaligen Grund und Boden des Ruhekrug.


    04. Nicht nur gute Zeiten!

    Es wäre ein Wunder, wenn der Ruhekrug, der an der großen Heerstraße von Süden nach Norden lag, nicht in den Kriegen gelitten hätte. Ein Beispiel ist Paul Sismann, dem der Herzog 1628 den Ruhekrug „verlehnte“. Dieser in der Gottorfer Besoldungsordnung als „alter Trompterer“ mit 100 Rth 30 Schilling jährlichem Einkommen aufgeführte Besitzer erlebte im Rugenkrog schwere Zeiten, als während des 30-jährigen Krieges die 1643 in unser Land einbrachen, um Dänemark zu bekämpfen. Der Herzog erkaufte sich damals zwar mit 100 000 Rth die Neutralität, aber trotzdem verfügte der schwedische General Torstenson eine achttägige Plünderung.

    Im Rugenkrug lag eine Zeitlang das schwedische Hauptquartier, und 8 Monate musste er eine Salvagarde aufnehmen. Das war eine Schutzmannschaft schwedischer Soldaten mit Pferden, für die der Wirt zu sorgen hatte und denen er zudem monatlich 8 Rth bar zu zahlen hatte. Die damals eingesetzten Salvagarden in Städten und adligen Gütern waren aber kein Schutz für ihre Wirte, auch nicht im Rugenkrog. Bei Abzug wurden 28 Stück Vieh und 6 Pferde weggetrieben, außerdem wurden noch das gedroschene Korn und andere Güter mitgenommen. Zu guter Letzt steckte ein schwedischer Soldat einen Feuerbrand über der Tür ins Dach, den die Wirtsfrau aber entschlossen wieder herausriss und so das Haus vor dem Abbrennen rettete. Dennoch musste nach Abzug vieles erneuert werden, wobei der Trompeter Paul Sismann während der Wiederherstellungsarbeit etwa 1655 verstarb.


    05. Seit wann sind die heutigen Eigentümer im Ruhekrug?

    Olaf und Elke Petersen kauften im Jahr 1975 den Ruhekrug von dem aus altersbedingten aufhörenden Hans Marth. Der Ruhekrug bestand damals nur aus dem Saal, der kleinen Gaststube und 5 Hotelzimmern mit Etagenbad. In den folgenden Jahren wurden umfangreiche Umbau- und Anbauarbeiten durchgeführt und das Grundstück durch Zukauf erweitert.

    2003 übernahm ich, Claudia Schaper geb. Petersen, das Hotel meiner Eltern. 2015 haben wir unser 40-jähriges Betriebsjubiläum und möchte auch weiterhin den Ruhekrug, der inzwischen durch Aufforstung mitten im Waldgebiet liegt, im Bewusstsein seiner Geschichte in die Zukunft führen.


    Vielen Dank für Ihr Interesse,

    Claudia Schaper.



    Artikel shz aus dem Jahr 2012: www.shz.de/lokales/schleswiger-nachrichten/tradition-am-ochsenweg-id222256.html